Ich muss mit Schande gestehen, ich wusste fast nichts. Und das obwohl meine liebe Freundin Isabelle mir so viel erzählt hat. Die Fotos von ihr waren alle wunderschön, aber ich wage zu behaupten, Armenien ist ein Land, das man nicht auf Bildern erfahren kann. Das Land muss man erleben: Die Natur, die Kultur, die Geschichte - schön wie traurig, das fantastische Essen und die unheimlich liebenswürdigen Menschen! Das ist auf einem Foto halt nicht möglich.
Ich habe lange überlegt, wie ich den Reisebericht aufbaue, soll ich zuerst über die Geschichte des Landes erzählen oder die Kultur oder die Natur? Dann war es mir klar: die Reise von Weltweitwandern war ja schon so toll organisiert und aufgebaut, warum soll ich mir was Neues überlegen? Somit mache ich diesen Reisebericht klassisch, einen Tag nach dem anderen, und lasse euch das Land so erleben, wie ich es erleben durfte.
Inhaltsverzeichnis:
- Tag 1 und 2: Ankunft in Jerewan
- Tag 3: Von Jerewan nach Dzoraget
- Tag 4: Wanderung von Haghpat nach Sanahin
- Tag 5: Dilidschan, Goschawank und weiter zum Sewansee
- Tag 6: Weiter nach Goris
- Tag 7: Kloster Tatev
- Tag 8: Felsendorf, Noravank, Weinverkostung und Chor Virap
- Tag 9: Havuts Tar, Garni, Basaltsäulen, ein Felsenkloster und atemberaubende Musik
- Tag 10: Abschied von Jerewan und Armenien
Tag 1 und 2: Ankunft in Jerewan
Highlights:
- Überblick über die Geschichte des Landes, die Geschicht hier ist alt, oft auch älter als anderswo
- Berührende Momente am Völkermord Denkmal mit Blick auf den unerreichbaren heiligen Berg Ararat
- Verstecktes Kaffeehaus im Innenhof mit sehr gutem orientalischen Kaffee

Jerewan, woher kenne ich den Namen? Radio Eriwan! Falls ihr euch an die nicht erinnern könnt: Eine Reihe witziger Anektoden in einem Schema aufgebaut: Frage an Radio Eriwan: Dann kommt eine Frage. Die Antwort beginnt dann meist mit “Im Prinzip”.
Zum Beispiel: Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, dass Adam und Eva die ersten sozialistischen Menschen waren?” Radio Eriwan antwortet: “Im Prinzip ja. Sie hatten nichts anzuziehen, lebten nur von dem, was sie sich selbst beschaffen konnten, und hatten keine eigene Wohnung. Trotzdem glaubten sie, im Paradies zu leben…”
Soweit mein Wissensstand zu Jerewan bei der Landung mitten in der Nacht. Ein Taxi hat uns abgeholt aber wie wir ankommen stehen alle Fahrer mit Schild herum nur unser Schild steht ohne Fahrer herum. Aber kaum schauen wir nur eine Sekunde verwirrt, läuft sofort ein anderer Fahrer los und holt ihn, wir hatten keine Chance uns darüber zu ärgern! Gleich sitzen wir in einem schnittigen eAuto und fliegen mit 120km/h durch die Stadt. Viel Polizei steht herum, was den Fahrer dazu nötigt im Ortsgebiet auf 90km/h hinunterzubremsen. Später erfahren wir, dass 60km/h ortsüblich wäre. Aber wir kommen sicher an und checken ein. Im Hotel bekommen wir gleich einmal die falschen Zimmer, ich zwei Einzelbetten, Angela und Maria ein Doppelbett mit gemeinsamer Decke. Als wir in am Morgen nach dem Frühstück nach einer zweiten Decke für die beiden fragen, wird klar, dass das andersherum geplant war. Wir sind natürlich sofort bereit zu tauschen oder uns umzusortieren, aber die Rezeption besteht darauf uns ganz neue Zimmer zu geben.
Auch wenn das bis jetzt geschriebene sehr chaotisch klingt, es hat auch schon hier gezeigt, wie super hilfsbereit die Armenier:innen sind. Wenn irgendetwas nicht klappt oder nicht so ist wie es sein soll, läuft sofort wer los um zu helfen. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen dieses Landes wird uns auf der Reise immer wieder begegnen.
Beim Frühstück ist uns dann auch aufgefallen, warum hier so viel Polizei ist: Wir sitzen gemütlich bei einem späten Frühstück im Kellerlokal des Hotels, auf einmal erzittert alles. Dreimal hintereinander fühlt es sich an, als ob im Nachbarhaus eine Bombe eingeschlagen hat. Wir sehen uns panisch an, die zwei am Nachbartisch auch. Nachdem die Kellner keine Miene verziehen, werden wir ruhiger und Maria findet über Google heraus, dass heute eine Militärparade ist - Es ist der Tag der Republik.
Wieder entspannt machen wir uns auf in die Stadt. Da hinter dem Hotel auf dem Berg eine riesige Frauenstatue mit Schwert steht (Mutter Armenien) gehen wir in die Richtung, doch leider gehen wir falsch und unser Weg endet an einer Straße ohne Gehsteigen, was wir bei dem Verkehr als zu gefährlich ansehen.

Richtungswechsel und wir spazieren durch einen Park, der wie der im Halbkreis einmal um fast die ganze Stadt verläuft. Im Park ist es gemischt gemütlich aber immer interessant - manche Stellen sind herabgekommen, manche sehen sehr kommunistisch aus, andere sind einfach nur super schön. Besonders gut hat mir ein vollgestopftes Buchgeschäft gefallen. Keine Wände, die die Bücher vor Regen schützen, Stapel alter Bücher und zwei sehr entspannte Herren, die diese verkaufen.

Nachdem es warm ist, suchen wir uns zu Mittag einen Ort, an dem wir Kaffee trinken können. Angela und Maria schlagen eine Rooftop Bar vor und ich finde auch gleich die Panda Bar. Ganz oben in einem Hotel mit wunderschönen Ausblick auf die Gebirgskette Aragaz genießen wir Kaffee, Getränke und später auch ein kleines Mittagessen.

Bis wir dann endlich wieder aufstehen und das Armenische Geld interessiert betrachten, kommt der Kellner vorbei und gibt uns eine kleine total liebe Unterrichtsstunde über die Berühmtheiten, die auf den Geldscheinen zu sehen sind. Maria wird zum zweiten Balkon begleitet, damit sie auch die Aussicht in die Richtung wertschätzen kann. Auch wieder eine schöne Begegnung.
Aber wir brechen auf und spazieren weiter zum Platz der Republik, aber jetzt ist die Parade schon vorbei. Wir sehen nur noch eine Gruppe Security Leute und einen nett aussehenden Herren, der den Menschen rundherum die Hände schüttelt und plaudert. Später werden wir erfahren, dass das Nikol Pashinyan ist, der amtierende Ministerpräsident (der ja auch an umserem Abreisetag für eine weitere Periode wiedergewählt wurde). Pashinyan ist sehr westlich orientiert und will Frieden für ein Land das schon zu viel erlebt hat. Ich hoffe sehr, dass es ihm gelingt.
Armenien liegt ja auch nicht sehr günstig was die Sicherheitslage angeht - im Osten Aserbaidschan, im Westen die Türkei. Beide der Grenzen sind zu. Im Süden der Iran, mit dem Armenien aber freundlich ist, aber wir wissen ja wie hier die politische Lage im Moment ist. Und im Norden noch Georgien, ein befreundetes Nachbarland, hinter dem aber dann auch gleich Russland lauert. Hier einen Frieden zu finden und zu halten ist leider eine unbeschreiblich schwierige Gratwanderung der Diplomatie.

Am Platz der Republik, der aus dem für die Stadt typischen roten Tuffstein gebaut ist, liegt auch das Historische Museum, das morgen dann auf unserem Plan steht.

Wir spazieren wieder ins Hotel zurück, noch nicht wirklich wissend, in was für ein tolles Land wir gekommen sind! Naja, das Gefühl ist nicht schlecht, aber wie schön es hier werden wird, können wir noch nicht erahnen.
Am nächsten Morgen lernen wir nach dem Frühstück unsere Reisegruppe kennen und auch hier sind wir mit Glück gesegnet. Wir sind nur zu fünft: Angela, Maria und ich und noch zwei pensionierte Damen, beide unglaublich liebe Menschen - Gerda und Margarethe. Und natürlich unsere Reiseleiterin Armine.
Zuerst geht es los zurr Kaskade - eine lange Treppe auf genau den Berg hinauf, den wir am ersten Tag erfolglos versucht haben von der anderen Seite zu besteigen. Moderne Kunst ist am Fuße der Kaskade aufgestellt und wir werden noch dadurch überrascht, dass wir nicht hinaufgehen müssen, sondern es eine Rolltreppe gibt entlang der noch mehr moderne Kunst ausgestellt ist.

Diese Rolltreppe nehmen wir auch dann bis fast ganz oben, um dann von der vorletzten Plattform auf die Stadt hinunterzublicken. Eigentlich steht man von hier direkt vor dem Berg Ararat, aber im Moment versteckt er sich hinter den Wolken. Darum erzähle ich auch noch nicht viel von ihm. Habt noch ein bisschen Geduld.
Wir gehen zunächst ins Historische Museum. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass die Armenische Geschichte alt ist, so richtig alt!
Zum Beispiel sehen wir bald den ältesten Lederschuh der Welt aus ca. 3500 v.Chr.

In Armenien ist übrigens so einiges älter als anderorts, das fällt uns hier zuerst auf:
- Armenien ist zwar nicht das älteste Land der Welt aber auf Platz 4 hinter Iran, Ägypten und Vietnam. Seine Geschichte als anerkannter Staat reicht bis ins Jahr 2492 v. Chr. zurück.
- Armenien ist dafür aber das älteste christliche Land der Welt! Im Jahr 301 n. Chr. war Armenien das erste Land, das das Christentum zur Staatsreligion erhob.
- Jerewan ist eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Welt und sogar älter als Rom. Die armenische Hauptstadt wurde offiziell im Jahr 782 v. Chr. durch den urartäischen König Argischti I. gegründet, der auf dem Gebiet die Festung Erebuni errichten ließ.
Armenien war einmal ein riesiges Land, das sich vom Mittelmeer im Osten bis zum Kaspischen Meer im Westen und fast bis zum schwarzen Meer im Norden erstreckt hat. Ich habe hier eine Karte gefunden, die den Unterschied zwischen damals und heute zeigt. Viele Kriege gegen Armenien oder auf dem Land der Armenier haben leider dazu geführt, dass es jetzt um einiges kleiner ist.

Das Museum war super interessant und sehr linear und verständlich von alt bis neu aufgebaut, was uns einen guten Überblick gegeben hat. Und kaum waren wir draußen hat uns Armine in ein tolles Lokal im Innenhof hinter einem Souveniergeschäft geführt, damit wir uns stärken können. Der Armenische “Orientalische Kaffee” mit Kaffeesud unten, ist wirklich ausgezeichnet und wir konnten nett unter Bäumen zusammensitzen und uns langsam kennenlernen.
Armine hat auch dann noch eine weitere sehr kluge Entscheidung getroffen und das Handschriftenmuseum Matenadaran, das noch für den Nachmittag geplant war, auf den letzten Tag der Reise verschoben. Ich hätte es am Tag eins nach dem Museum bei Weitem nicht so wertschätzen können, wie am Ende der Reise.
Und darum hatten wir dann Zeit zum Völkermord-Denkmal zu fahren. Der Ort ist sehr schön und beeindruckend angelegt mit Blick auf den Ararat. Ein sehr ergreifender Ort. Armine hat ihre persönliche Geschichte mit uns geteilt und ich hatte Tränen in den Augen. Ich werde hier natürlich keine persönlichen Geschichten niederschreiben, aber werde euch eine Zusammenfassung über den Genozid geben.
1915, im Schatten des ersten Weltkriegs, hat die Türkei den Armeniern den heiligen Berg Ararat weggenommen. Der Berg Ararat ist ja der Berg auf dem die Arche Noah gelandet ist. Für das über 92% christliche Land, das der orthodoxen Armenisch Apostolischen Kirche anghört, ist dieser Berg heilig. Dort gibt es auch viele religiöse Stätten und wie schon erwähnt ist dieser Vulkanberg mit seinen 5.137m Höhe ja auch aus der Hauptstadt Jerewan und Umgebung immer gut sichtbar. Auch uns hat er sich gezeigt, als wir am Völkermord Denkmal standen.

Was bedeutet aber “Weggenommen”? Ich zitiere die Zahlen jetzt mal aus der heutigen Wikipedia: “Bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, kamen je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Menschen zu Tode. Die Schätzungen zur Zahl der Armenier, die während der Verfolgungen in den zwei Jahrzehnten zuvor getötet worden waren, variieren zwischen 80.000 und 300.000.”
Die Türkei behauptet bis heute, dass es sich hierbei nicht um einen Genozid gehandelt hat.
Und wenn man das jetzt bedenkt - jeder in Jerewan hat wahrscheinlich eine persönliche Geschichte dazu. Der Berg Ararat ist den Armeniern heilig aber erinnert gleichzeitig an furchtbare Tragödien. Der Berg Ararat ist jeden Tag im Blick - zum Greifen nahe aber hinter einer geschlossenen Grenze, über die die Armenen nicht gehen dürfen auch unendlich weit weg. Das muss unsagbar schmerzhaft sein.
So haben wir die ersten Tage in Jerewan verbracht und würdig mit einem traditionell armenischen Abendessen beendet, bei dem wir sogar zusehen durften wie das hier so beliebte Brot Lavash gebacken wird.

Auf das nächste Bild klicken, um zu allen Fotos von den ersten zwei Tagen zu gelangen:
Tag 3: Von Jerewan nach Dzoraget
Highlights:
- Die Historie und Bedeutung von Etschmiadzin, und wie alt es ist. Auch die Findigkeit der Armenier der Zerstörung der Hauptkirche vorzubeugen.
- Kreuzsteine, deren Bedeutung und Aufbau - so eine feine Steinarbeit!
- Der Jesiden-Tempel und vor allem die freundliche und interessante Begegnung mit dem dazugehörigen Priester

Heute am Programm waren zuerst die Ruinen des Zwartnots Tempels. Wunderschön gelegen, mit dem Berg Ararat im Hintergrund, sieht man hier nur noch den ersten Stock eines ursprünglich dreistöckigen Tempels. Hier die Tempelreste und eine Skizze aus der Wikipedia:

Der Tempel muss gewaltig und prächtig gewesen sein, bevor ihn ein Erdbeben zerstört hat. Zwartnots wurde 643 bis 652 n.Chr. gebaut und ist dem heiligen Gregor geweiht, dem Gründer der Armenisch Apostolischen Kirche. Heute stehen nur noch die wunderschönen Säulen und ein paar Bögen.

Weiter geht es nach Etschmiadsin, dem Kirchenzentrum Armeniens. Doch zuerst machen wir noch einen kurzen Halt bei der Kirche der Heiligen Hripsime. Diese und eine zweiten Kirche (die der Heiligen Gajane) sind als Mausoleum für die jeweiligen heilig gesprochenen Nonnen errichtet worden. Sankt Hripsime wurde im Jahr 618 vollendet. Hripsime und ihre Lehrerin Gajane sind gemeinsam mit 70 Jungfrauen aus einem römischen Kloster nach Armenien geflohen. Hripsime war besonders hübsch und so wurde der damalige Herrscher Trdat III auf sie aufmerksam. Nachdem Hripsime sich ihm verweigerte, wurde sie enthauptet (ebenso Gajane). Den anderen 70 Nonnen erging es auch nicht besser.

Nachdem wir jetzt schon im Ort Etschmiadsin sind, ist es nicht weit zum gleichnamigen “Vatikan Armeniens”. Etchmiadsin ist der Sitz des Katholikus (ähnlich dem Papst, ist dieser das Oberhaupt der Armenisch Apostolischen Kirche). Die Hauptkathedrale befindet sich mittig in Etschmiadsin. Drinnen waren leider keine Fotos erlaubt aber auch von außen ist sie sehr stattlich.

Ein super spannendes Detail am Rande, das man auf meinem Foto leider nicht ganz gut erkennen kann. Auf dem Glockenturm der Hauptkirche ist ein Relief von einem bärtigen Mann mit Turban eingemeißelt. Laut der Überlieferung ist das Schah Abbas I. von Persien. Die armenischen Mönche ließen das Antlitz des persischen Herrschers in den Stein meißeln, um das Gebäude vor der Zerstörung zu bewahren. Sehr klug und findig, die Armenier!

Besonders interessant auch die Darstellungen der Engel in der Armenischen Kirche. Engel werden hier als Gesichter mit mehreren Flügelpaaren dargestellt. Und wenn man genau schaut ist hier auf diesem Engel noch etwas ganz besonderes: Am Rand oben der kleine Fleck - wenn man genau hinsieht ist hier ein echter Skorpion mitverarbeitet. In den Armenischen Kirchen wird oft eine klein lauernde Gefahr dargestellt. In diesem Fall ein Skorpion, aber auch anderswo der Teufel. Das bedeutet, dass das Böse überall lauert, auch in der Kirche. Und die Armenier haben auch ein Sprichwort, dass bedeutet, dass man immer zuerst denken soll bevor man spricht. Das Armenische Sprichwort dazu lautet:
Եօթ անգամ չափիր, մէկ անգամ կտրիր - “Messen musst du siebenmal, schneiden einmal.”

Zum Abschluss von Etschmiadsin sind wir dann noch in das Reliquien-Museum gegangen. Hier sind belegte und datierte Reliquien wie zum Beispiel ein Stück des Speers, der Jesus getötet hat und auch ein Splitter der Arche Noah.

Hier in Etschmiadsin sehen wir auch erstmalig die einzigartigen Armenischen Kreuzsteine. Chatschkar (խաչքար) sind Gedenksteine mit einem Kreuzrelief. Die ältesten stammen aus dem 9. Jahrhundert.
Kreuzsteine sind oft ähnlich aufgebaut:
- unten Golgota, der Berg auf dem Jesus gekreuzigt wurde oder eine Sonne bzw. ein Rad des Lebens
- darüber ein Kreuz, das damit verbunden ist.
- am Rand oft Abbildungen von Heiligen
- manchmal auch ein Baum des Lebens zwischen dem Kreuz und Golgota oder der Sonne
- in nur sehr seltenen Fällen eine Abbildung von Jesus auf dem Kreuz

Nach einem tollen Mittagessen im Refektorium von Etschmiadsin sind wir weiter gefahren über die Bergkette Aragaz. Oben in den weiten Höhen haben wir in einem Jesidischen Dorf haltgemacht. Jesiden haben eine interessante Religion, die das Licht bzw. die Sonne verehrt, es gibt 7 Engel, die eine Hierarchie bilden. Als wir dort ankommen, werden wir von dem lokalen Priester angesprochen. Der Mann wirkt äußerst interessiert und beschreibt uns seine Religion im Detail, was Armine dann übersetzt. Wieder eine Begegnung mit einem so netten Menschen. Die Kirche ist sehr schlicht mit einem Altar innen in der Mitte und dem Sonnensymbol an der Decke und der Kirchenspitze.

Auf der anderen Straßenseite der dazugehörige Friedhof. Interessant sind hier die Pferdestatuen. Diese sind nur auf Männergräbern. Die Männer der Jesiden benötigen die Pferde um in den Himmel zu reiten. Die Frauen kommen sowieso hin!

Weiter fahren wir über weite Hochebenen und dann über den Spitak Pass bis wir in unserer wunderschönen Unterkunft in Dzoraget in der Schlucht des Flusses Debet ankommen.
Hier zu den Fotos des dritten Tages:
Tag 4: Wanderung von Haghpat nach Sanahin
Highlights:
- Die wunderschöne Berglandschaft, inmitten derer das Kloster Haghpat majestätisch steht
- Die tiefe Schlucht des Flusses Debet, speziell oben auf der Anhöhe des 2. Klosters, wo die Blumenwiesen einfach im Nichts der Schlucht enden
- Die modernen wissenschaftlichen Studien, die vor vielen vielen Jahren bereits im Geheimen im Kuppelsaal in Sanahin gemacht wurden.

Heute begeben wir uns auf unsere erste Wanderung in die Berge. Unser Hotel liegt an dem in einer tiefen Schlucht liegenden Fluss Debet. Diesem folgen wir bis wir dann eine Serpentinenstraße hinauf zum Kloster Haghpat fahren. Das Kloster aus schwarzem Stein ist sehr beeindruckend angelegt! Es ist aus dem 10. Jahrhundert und wunderschön erhalten, die Berge rundherum machen den Anblick noch schöner.

Mit unserem Wanderführer spazieren wir entlang wunderschöner Forstwege langsam entspannt den Hang hinunter bis tief in die Debet Schlucht hinunter.

Auf dem Weg macht Aram, unser Wanderführer, uns auf das regelmäßige Knallen aufmerksam. In der Schlucht gibt es anscheinend Hagelkanonen. Die sind dazu da, dass kein Hagel kommt. Der Himmel zieht auch schon zu. Unten in der Schlucht angekommen, schauen wir gegenüber die steilen Felswände hoch und wundern uns wie wir da wohl hinaufkommen.

Aber natürlich gibt es einen Weg hoch. Zuerst an der Kayan Festung vorbei und dann sehr steil den Bergkamm hinauf.

Kaum sind wir oben im Unterschlupf, beginnt es waagrecht zu schütten. Wir hatten sowieso hier unsere Mittagspause geplant, also packen wir uns in unsere Regenjacken ein und jausnen unsere gefüllten Lavash.
Als dann der Regen recht bald nachlässt, gehen wir weiter. Wunderschöne Blumenwiesen, die plötzlich an der Schlucht im Nichts enden, zieren den zweiten Teil unserer Wanderung.

Nach einiger Zeit gelangen wir dann zum Kloster Sanahin, auch aus dem 10. Jahrhundert. Sanahin bedeutet im armenischen übrigens “Dieses ist älter als jedes”, wodurch das Kloster angeben möchte, dass es älter ist als Haghpat auf der anderen Seite der Schlucht.

Besonders faszinierend war hier eine Kuppelhalle, die zwar nicht für normale Touristen, aber sehr wohl für uns geöffnet wurde. Armine hatte einen Schlüssel für uns. Diese Kuppelhalle wurde zur aktiven Zeit des Klosters für wissenschaftliche Studien verwendet - Medizin, Theologie, Philosophie und Musik auf jeweils einer der vier Seiten des quadratischen Raumes. Im Boden sieht man Löcher. In diesen und gleichartigen Löchern in anderen Klöstern wurden die wichtigsten Schriftrollen versteckt und so vor Raub und Zerstörung geschützt.
Hier geht es zu allen Fotos des 4. Tages:
Tag 5: Dilidschan, Goschawank und weiter zum Sewansee
Highlights:
- Die liebevoll im Innenhof angelegte Pension bei der wir unsere Lunchpakete abholen durften
- Die Bergwiese, die wir für unser Picknick genutzt haben, samt Plumpsklo mit Aussicht
- Das wunderschön angelegte Kloster Sewanavank auf einer ehemaligen Insel am Sewansee

Zuerst sind wir heute nach Dilidschan gefahren. Kurz vor der Stadt machen wir halt, um auf ein Molokanen Dorf zu blicken. Die Molokanen sind eine Bevölkerungsgruppe, die aus Russland kommt. Sie haben einen komplett anderen Glauben als die Armenier und trotzdem leben sie hier in Frieden beisammen. Genauso wie auch die vorgestern besuchten Jesiden mit den Armeniern gut auskommen.

Gleich nach Ankunft in Dilidschan gehen wir in eine kleine Pension hinein, die wunderhübsch und mit viel Liebe in einem Innenhof angelegt ist. Die Besitzerin hat ihren Mann überredet, dieses Projekt gemeinsam umzusetzen und man sieht sofort, dass hier viel Leidenschaft und Liebe drinnen steckt. Leider haben wir hier nur unsere (ausgezeichneten) Lunchpakete abgeholt und haben hier nicht übernachtet.
Dilidschan ist ein alter Thermalkurort. Der Ortskern wurde jetzt im alten Stil wieder aufgebaut, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie es hier einmal ausgesehen hat.

Unsere heutige Wanderung ist gut markiert und verläuft entlang des Armenian National Trail und des Transkaukasischen Trails vom See Parz bis zum Kloster Goschawank.

Oben auf dem Berg angekommen erwartet uns ein Picknick auf einer wunderschönen Wiese mit Blicken auf Berge, die auch bei uns in Österreich stehen könnten. Obwohl Armenien ein sehr kleines Land ist, beherbergt es 7 verschiedene Klimazonen und später im Bericht werdet ihr sehen, wie unterschiedlich diese sein können.


Nach dem etwas steinigen Abstieg, werden wir mit dem bezaubernden Kloster Goschawank belohnt.

Das Kloster ist bekannt für seine wundeschönen, sehr fein gemeisselten Kreuzsteine.

Nach einer weiteren Busfahrt gelangen wir zum Sewansee. Der Sewansee liegt auf 1.900m Seehöhe und ist mit seiner Fläche von 1.200km² der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.

Auf einer Halbinsel, die einmal eine Insel war, bevor der See durch Felderbewirtschaftung ein ordentliches Stück Wasser verloren hatte, besuchen wir das Kloster Sewanawank. Über viele Treppen kommen wir hinauf zum Kloster und der Blick über den weitläufigen See mit den Bergen dahinter ist sehr beeindruckend.
Hier alle Fotos von Tag 5:
Tag 6: Weiter nach Goris
Highlights - heute war alles ein Highlight, wie soll ich mir da was aussuchen?
- Die berührende Begegnung mit dem Verkäufer von selbstgemachten Armbändern am Friedhof Noratus. Und natürlich die beeindruckenden roten Kreuzsteine ebendort
- In der Karawanserei zu stehen und darüber zu reflektieren, wie hart das Leben damals gewesen war, gefolgt von einem Einkauf bei dem netten alten Ehepaar, dass mit einem vollgeladenen Auto selbstgemachter Marmeladen und Süßigkeiten davor stand
- Der herzliche Empfang beim Mittagessen durch zwei Frauen in ihrem eigenen wunderschön angelegten Garten
- Auf der Anhöhe von Karahunj zu stehen und dort gleichzeitig voll Wunder das Stonehenge und das damit zusammenhängende Wissen der Menschen aus dieser Zeit zu bestaunen, während man von den Bergen umgeben ist, die die traurige zeitnahe Geschichte verbildlichen und einem veranschaulichen, wie nah der Iran, Aserbaidschan und Bergkarrabach beisammen liegen.

Die lange Fahrt von Sewan nach Goris wurde zum Glück immer wieder an tollen Stätten unterbrochen. Unser erster Halt was am wunderschönen Friedhof Noratus mit seinen unzähligen roten Kreuzsteinen. Ca. 900 Stück stehen auf der Anhöhe, die auch heute noch als Friedhof genutzt wird. Der Legende nach wurde diese Grabstätte vor der Zerstörung geschützt, indem die Bewohner den Steinen Helme und Umhänge verpasst haben. Der einziehende Kriegsherr hat aus der Ferne eine Armee vermutet und ist unverrichteter Dinge weitergezogen. Es gibt in Armenien immer wieder Geschichten, in denen erzählt wird, wie findig die Armenier sind, damit ihre historischen Bauten nicht durch Kriege zerstört werden.
Ein Herr mit Behinderung von dem uns Armine schon zuvor im Bus erzählt hat, dass er ein ganz ein lieber Mensch ist, hat selbstgemachte Armbänder verkauft, und unsere Mitreisende Margarethe hat am letzten Tag noch davon erzählt wieviel Freude sie mit dem gekauften Bändchen hat.

Am Friedhof waren überall Glasscherben am Boden. Armine hat uns den Grund erklärt. Es gibt einen Brauch - wenn man auf den Friedhof kommt zerschlägt man Glas um seine Ängste loszuwerden. Mit dem Glas zerbricht auch die Angst, die man hat und man kann beruhigt wieder gehen.

Wieder fahren wir über eine wunderschöne Bergkette. Oben angelangt machen wir halt bei Orbelians Karawanserei am Selim Pass. Gebaut in 1332 war sie dazu da, den Karawanen entlang der armenischen Seidenstraße Unterschlupf zu gewähren. Die kleine Karawanserei ist super erhalten und wir konnten hineingehen und uns ein Bild machen, wie rauh und kalt und mühsam es gewesen sein musste langsam durch dieses Berge zu ziehen. Die Karawanen haben nur ca. 12km pro Tag zurückgelegt.
Vor der Karawanserei steht ein altes Auto mit zwei älteren Leuten. Der Wagen ist vollbepackt mit Waren, selbstgemachte Marmeladen, Fruchtleder, Nüsse, Eingelegtes. Und wieder zwei sehr nette Menschen getroffen! Mittlerweile habe ich alles aufgegessen und kann sagen es war alles ausgezeichnet!

Nach einer Fahrt durch wunderschöne Täler halten wir zum Mittagessen bei einer Familie, zwei Frauen, in einem Ort namens Malishka die uns herzlich empfangen und hervorragend verköstigen. Ihr Haus und Garten sind bezaubernd und wir genießen all die Gänge, die uns aufgetischt werden. Hier habe ich auch die lokale Version der Dolma probieren können.

Am Nachmittag sind wir dann im Dreiländer-Eck angekommen. Von den Steinkreisen Karahunj aus, kann man die Berge sehen hinter denen der Iran liegt, hinter denen Aserbaidschan liegt und Bergkarabach. Eine wunderschöne weite Ebene aber es macht auch traurig zu sehen, wie nah hier die Gefahr lauert und was hier in den letzten 40 Jahren alles passiert ist.
Das armenische Stonehenge ist super faszinierend. Nicht nur, dass es älter ist, als das britische Stonehenge man kann auch die Art und Weise erkennen, wie hier asterologische Berechnungen durchgeführt wurden. Übrigens kommt das “Henge” im englischen Stonehenge von dem armenischen Wort “Hunj” (հունջ) was Sammlung oder Ansammlung bedeutet. Karahunj (Քարահունջ) - Ansammlung von Steinen.

Die Steine wurden auf das 20-16 Jahrhundert v.Chr. datiert und sind somit aus der Mittelbronzezeit. Die Steine haben oben kreisrunde Löcher. Diese werden immer noch erforscht, aber die neuersten Erkenntnisse weisen darauf hin, dass diese Löcher für astronomische Berechnungen verwendet wurden.
Hier geht es auch gleich zu allen Fotos des 6. Tages:
Tag 7: Kloster Tatev
Highlights:
- Der Flug über die Schlucht zum Kloster Tatev als stolzes Zeichen der modernen Technik
- Die Beben-Warnsäule und die Fluchttreppe im Kloster, als faszinierende Beispiele der fortgeschrittenen alten armenischen Architekturkunst
- Die vielen wunderschönen Blumen am Wegesrand, beim Abstieg in die beeindruckende Schlucht

Nach kurzer Fahrt sind wir heute auf einen Berg hinauf nach Halidor gefahren, wo die Seilbahn Wings of Tatev - Flügel von Tatev - beginnt. Diese Seilbahn geht nicht einen Berg hinauf oder hinunter sondern verbindet Halidor mit dem auf fast gleicher Höhe gelegenen Kloster Tatev (alles ca. 1500m). Die Seilbahn, von der österreichischen Firma Doppelmayr gebaut, ist mit ihren 5,75km die längste der Welt. Die Fahrt dauert 12 Minuten und verläuft über die rund 500m tiefe Schlucht Worotan.

Am anderen Ende angekommen besuchen wir dann das Kloster Tatev, das im 9. Jahrhundert am Ort eines noch älteren Heiligtums erbaut wurde. Die Kirche selbst ist den Aposteln Peter und Paul geweiht. Sie steht sehr schön an der Berkante in einem Innenhof und beherbergt immer noch ein aktives Mönchskloster.

Zuerst aber haben wir uns eine uralte Ölpresse angesehen. Hier sind noch die original Presssteine ausgestellt und ein Video zeigt uns, wie kompliziert es war ein bisschen Öl aus Getreide herauszubekommen.

Ganz besonders interessant ist die Steinsäule Gavazan im Hof des Klosters. Das der Dreifaltigkeit geweihte Denkmal ist eine einzigartige Arbeit armenischer Architektur und des armenischen Kunsthandwerks. Die achteckige Säule aus sorgfältig behauenen Quadern ist acht Meter hoch und wird von einem Gesims mit einem kleinen Chatschkar darauf bekrönt. Die Steine sind so aufeinander/ineinander gelegt, dass durch Erschütterungen der Erde, sogar durch bloße Berührung einer Hand, die Säule ins Wanken gerät. Somit konnte sofort erkannt werden, wenn die Erde bebt, was ja auch passiert wenn ein Angriff von einem Heer kommt.

Wenn man weiß, dass jemand kommt, dann braucht man natürlich auch einen Fluchtweg, sonst hilft einem dieses. Im Refektorium in der Ecke ist eine Treppe nach unten. Wir durften einen Blick hineinwerfen und Angela hat ein Foto gemacht auf dem man ganz gut erkennen kann, dass die Flucht keine einfache Sache ist. Die Treppe geht im Berg drinnen 300 Höhenmeter hinunter zu einer Einsiedelei, die auf dem Hang unterhalb liegt.

Genau zu dieser Einsiedelei sind wir jetzt gewandert, aber natürlich nicht über die Nottreppe, sondern durch die wunderschöne Natur vorbei an so vielen schönen Blumen und Aussichtspunkten.

Bei der Einsiedelei haben wir halt gemacht um zu jausnen. Hier lebt sogar noch ein Einsiedler, der anscheinend ein bisschen eigen ist oder einen schlechten Tag hatte. Er hat uns von seinem Maulbeerbaum vertrieben und wir mussten stattdessen vor den Toren der Einsiedelei unser Picknick machen. Das fand ich sehr witzig. Für uns hat es kaum einen Unterschied gemacht. Vor den Toren war es auch sehr schön und ihm war es anscheinend wichtig. Auf dem Bild sieht man hinten im rechten Torbogen den Einsiedler, wie er noch sein Buch liest. Wahrscheinlich war es gerade spannend und er wollte sich nicht ablenken lassen…

Dann ging es frisch gestärkt weiter hinunter bis wir den Fluss Worotan erreicht haben. Dort wollten wir eine Brücke queren und auf der anderen Seite zur Teufelsbrücke spazieren doch die Brücke war weg. Leider hat der Fluss sie kürzlich weggespült. Eine Horde Jugendlicher war unten im Fluss am Schwimmen und hat uns angeboten uns bei der Überquerung zu helfen.

Wir haben uns dann aber nach längerer Überlegung und bei genauer Betrachtung stattdessen für den steilen aber wunderschönen Aufstieg auf dieser Seite des Flusses entschieden. Der Hang war steil und schwierig für manche aus unserer Gruppe. Also habe ich das Schlusslicht gemacht, damit Armine und Herine, unsere Wanderführerin, vorne helfen konnten. Ich habe den Aufstieg sehr genossen!

Dann noch ein schneller Blick zur Teufelsbrücke (wo wir die hilfsbereiten Burschen wieder gesehen haben) und dann sind wir zurück nach Goris gefahren. Hier gab es noch einen ganz besonderen Abschluss. Wir haben die tollen Frauen der Initiative “Brdiz Karpet” besucht. Ein Projekt von und für Frauen, das Handwerk lehrt und ihnen dadurch eine Möglichkeit bietet, finanziell unabhängig zu sein. Hier lernen sie das traditionelle Handwerk des Teppich erzeugens - spinnen, knüpfen, weben. Wir durften es natürlich auch probieren. Ich bin nicht besonders gut dabei darum habe ich mir eine tolle gewebte Decke aus Schafwolle gekauft.
Über das Bild geht es auch gleich zu allen Fotos des Tages:
Tag 8: Felsendorf, Noravank, Weinverkostung und Chor Virap
Highlights:
- Die persönliche Geschichte eines Mannes der als Kind mit seinen Eltern noch in dem Felsendorf gewohnt hat und seine absolute Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, damit auch Maria die andere Seite entdecken konnte.
- Das rote Kloster im roten Gebirge, dass vor Symbolik und geheimen Zeichen nur so strotzt!
- Der verregnete dramatische Blick auf den heiligen Berg Ararat und dazwischen die gemeinschaftlich bewirtschaftete neutrale Zone. Sehr berührend!

Heute mussten wir schweren Herzens wieder nach Jerewan aufbrechen. Aber der Tag war dicht gepackt mit wunderschönen Orten und Momenten! Nach einem zeitlichen Frühstück haben wir eine holprige Straße zum ehemaligen Höhlendorf Chndsoresk, das auch wieder in einer Schlucht liegt.

420 Treppenstufen später kommen wir unten an und besuchen zuerst einmal das Museum. Das Museum ist eine noch eingerichtete Version einer Wohnung, damit man sich eine Vorstellung machen kann, wie es wohl war, hier zu leben. Der Mann, der uns das zeigt, hat selbst als Kind hier in Chndsoresk gewohnt und es war sehr spannend der Übersetzung von Armine zu lauschen.

Dann müssen wir über die 160m lange Hängebrücke. Margarete und Gerda laufen vor, Angela folgt mir dicht auf den Fersen, aber Maria schafft es leider nicht. Die Brücke wackelt sehr und eine ganze Gruppe steht fast mittig drauf und macht ein Foto nach dem anderen. An denen vorbei ist es auch ein bisschen eng.

Die Höhlen hatten ursprünglich auch Vorbauten, also waren von vorne gesehen richtige Häuser. Auch die St. Hripsime Kirche ist ein ganz normales Gebäude.

Zurück auf der anderen Seite der Hängebrücke erzählt uns Maria ganz glücklich, dass der Mann vom Museum sie nicht hat alleine stehen lassen konnte. Er hat sie beim Arm genommen, sicher über die Brücke geführt, Fotos von ihr gemacht und sie heil wieder zurückgebracht. Die Menschen hier sind einfach so unglaublich nett und hilfsbereit! Er hat sich über das Trinkgeld sicher gefreut, aber anders als in vielen anderen Ländern hat man nicht das Gefühl, dass er es erwartet, oder dass er hilfsbereit ist, damit er Geld bekommt. Das war einfach ein selbstloses dem anderen Helfen und das habe ich hier immer wieder gesehen und bemerkt! So schön!
(Und das mit der bedingungslosen Gastfreundlichkeit habe ich jetzt auch bestätigt. Ich habe heute mit einer lieben Arbeitskollegin geplaudert, die neu bei uns in der Firma ist. Sie ist Armenierin und hat genau das Bestätigt. Die Gastfreundschaft ist hier im Blut. Den meisten ist es unangenehm für Gastfreundschaft bezahlt zu werden.)
Nach der Abreise aus dem Hotel sind wir weitergefahren zum Weingarten Old Bridge. Ein kleines Weingut mit international Silber und Gold gekrönten Weinen. Hier haben wir ein super tolles Mittagessen mit Weinbegleitung genießen dürfen!

Und einen tollen Grappa zum Abschied! Der Grappa hier wird anders als bei uns aus ganzen Trauben zubereitet. Diese werden gepresst und dann doppelt destilliert. Danach werden durch Hinzufügen von 10-15% Milch die unnötigen Öle, die nur Kopfweh erzeugen, aus dem Destillat gefiltert. Als nächstes wird der Grappa in Metallfässern fermentiert und dann drei Jahre in neuen Eichenfässern gereift. Das Ganze hat am Ende satte 55%.

Nach einer kurzen Fahrt sind wir oben auf Bergen aus rotem Tuffstein ausgestiegen. Brütende Hitze, noch leicht betüdelt stehen wir in der wunderschönen kargen Landschaft mit Gräsern, Blumen und niedrigen Gewächsen.

Nach kurzer Wanderung sehen wir auch schon das rote Kloster Norawank. Könnt ihr es auf diesem Bild auch erkennen? Ihr müsst nur mit dem Blicken dem Weg folgen der sich unten dem Hang entlangzieht, dann findet ihr das Kloster schon.

Das Kloster selbst ist aus dem Stein gebaut, von dem es umgeben ist - roter Tuffstein. Es ist dadurch gut versteckt. Aus der Nähe ist es wunderschön gebaut und extrem schön verziert. Es ist aus dem 13. Jahrhundert und war bis ins 19. Jahrhundert Grabstätte der fürstlichen Orbelian-Dynastie.
Die erste Ebene ist zugänglich über sechs Stufen, die in das Mausoleum hinabführen. Die zweite Ebene mit ihrem kreuzförmigen Grundriss wird über zwei schmale Außentreppen erreicht. Die dritte Ebene wird durch eine 12-säuligen Rotunde gebildet, die von einer Kuppel gekrönt ist

Wunderschön hier ist die viele Symbolik und die Geheimschrift, die die Bedeutung der Kirche und Kunstwerke vor den Augen der unwissenden verbirgt. Gebaut hat das Kloster der Architekt Momik. Sein Name bedeutet “kleine Kerze” und er hat sich durch ein ganz speziell geformtes Fenster in der Grabkapelle verewigt.

Die Kombination aus der atemberaubenden Landschaft und der mit Symbolik überquellenden roten Kirche hat mich sehr beeindruckt.

Danach sind wir weitergefahren zum Postkartenkloster Chor Virap. Das Kloster ist sehr Nahe an der türkischen Grenze und somit auch am Fuße heiligen Berg Ararat. Das Kloster ist aus dem 4. Jahrhundert. Leider hat uns ein Regenschwall davon abgehalten das Postkartenfoto zu schießen, aber wir haben uns nicht abhalten lassen, mehr über die Gegend zu erfahren.
Faszinierend war der Blick auf die Grenze und das Niemandsland dazwischen. In der neutralen Zone zwischen der geschlossenen Grenze zur Türkei werden die Felder in friedlicher Zusammenarbeit zwischen den Armenen auf dieser Seite und den Kurden auf der anderen Seite bewirtschaftet. Warum muss die Politik und Macht immer so falsch laufen und alles kaputt machen? Das Problem sind nicht die Menschen die hier oder in den Nachbarländern leben, sonder die machtgierigen Politiker, die sich bereichern möchten. Das hat dieser Blick über die Grenze wieder einmal ganz klar veranschaulicht!
Hier geht es zu allen Fotos dieses Tages:
Tag 9: Havuts Tar, Garni, Basaltsäulen, ein Felsenkloster und atemberaubende Musik
Highlights - Wow! Dieser Tag. Man fährt über eine Woche herum, und denkt es kann nicht schöner werden… dann das!
- Ein Spaziergang mit den Haushunden des Naturschutzgebietes zur faszinierenden schachbrettartig gemusterten rot-schwarzen Klosterruine Havuts Tar
- Gigantische Basaltsäulen, die alles in den Schatten stellen, das ich bisher an Basalt gesehen habe
- Der Gesang der beiden Frauen in der unwirklichen Akustik der Felsenkirche des Klosters Geghart. Ich hatte abwechselnd Gänsehaut und Tränen in den Augen. Manchmal auch beides gleichzeitig!

Unglaublich! Ich weiß nicht, wie es möglich war! Obwohl die ganze Woche wunderschön war, wurde heute noch einmal was draufgesetzt. Schon bei der Hinfahrt hat beim Ararat Aussichtspunkt sich der wunderschöne Vulkanberg gezeigt, der sich ja gestern noch im Regen versteckt hatte. Wir mussten natürlich alle Fotos machen…

Dann ging es gleich damit weiter, dass bei unserer Wanderung zur Klosterruine Havuts Tar ab dem Eingang zum Nationalpark eine Gruppe von drei Hunden der Meinung war, wir brauchen Begleitschutz. Die drei sind friedlich und unaufdringlich mit uns mitspaziert und haben mir als absolute Hundefreundin sehr viel Freude bereitet.

Die sehr schöne Landschaft mit den roten Mohnblumen und den kräftig grünen Wiesen, hat den Blick, den wir auf das Kloster hatten, immer wieder beeindruckend schön gemacht.

Die Ruinen die ein bisschen verträumt im hohen Gras und den Blumen stehen, wirken wie ein altes Märchenschloss. Natürlich finden wir drinnen Kreuzsteine und schöne Reliefe.

Die Hauptkirche oben aus dem schwarzen und roten Tuffstein auf einer Anhöhe westlich des Klosters ist genauso bezaubernd.

Zurück beim Naturparkeingang dürfen wir unter einem Baum an einem Tisch in der freien Natur unsere Jause genießen und dabei den Pferden auf der Weide zusehen, die ihr Leben genießen.

Nach einem kurzen Abstieg geht es direkt weiter mit den faszinierenden Erlebnissen. Wir sind an einer riesigen Basaltwand. Schon beim ankommen sieht es gewaltig aus, aber Armine meint nur “kommt weiter, vorne wird es noch schöner”. Kaum zu glauben, aber sie hat recht. Ich habe noch nie eine so hohe Basaltschlucht gesehen. Einfach nur beeindruckend!

Am Ende der Basaltschlucht durften wir uns dann auch noch Zeit für einen Kaffee nehmen und einfach nur die Garni Schlucht genießen!
Danach hat uns der Bus hinauf zum Garni Tempel gebracht. Der Tempel befindet sich am oberen Rande der Schlucht. Es wird vermutet, dass der Tempel von König Tiridates I. erbaut wurde, wahrscheinlich mit Geld, das er von Kaiser Nero während seines Besuchs in Rom erhalten hatte. Das Bauwerk ist wahrscheinlich dem Gott Mihr geweiht. Das Gebälk wird von 24 ionischen Säulen getragen. Anders als bei anderen griechisch-römischen Tempeln besteht es aus Basalt. Der Bau des Garni Tempels begann wahrscheinlich 115 n.Chr.

Und damit nicht genug! Nach einer weiteren kurzen Fahrt kommen wir beim Kloster Geghart an. Die Gründung des Klosters im 4. Jahrhundert n. Chr. am Ort einer heidnischen Quelle wird dem Heiligen Gregor, dem Patron der Armenischen Apostolischen Kirche, zugeschrieben. Von den Arabern wurde es im 9. Jahrhundert zerstört, so dass keine Bauten aus dieser Zeit erhalten sind. Der Neuaufbau begann 1215.
Das besondere an diesem Kloster ist, dass es ein in den Fels hineingebautes Höhlenkloster ist.

Und als besondere Überraschung hat das Reisebüro für unsere Gruppe ein kurzes Gesangskonzert des Geghard Ensembles organisiert. Ein paar andere Touristen haben mitgelauscht, aber wir hatten den besten Platz. Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen. Das Video ist zwar sehr schön, aber es gibt nicht den Ton und Klang wieder der da drinnen herrschte.
Ein tolles Erlebnis!
Und da wir nicht genug von der Musik bekommen können heute, gehen wir am Abend in den Malkhas Jazz Club. Vom Balkon aus können wir der kleinen Gruppe zusehen und vor allem gut zuhören. Die Jazz Sängerin ist besonders gut und hat uns sehr gut gefallen. Auch hier habe ich eine Aufnahme für euch.
Hier zu allen Fotos dieses wahnsinnig tollen Tages:
Tag 10: Abschied von Jerewan und Armenien
Highlights:
- Einmal noch auf die Kaskade hinauf und den mächtigen Berg Ararat vor uns stehen sehen
- Noch eine letzte sehr berührende Führung durch das Matenadaran
- Ein entspannter Nachmittag und ein tolles Abschiedsessen!
Gleich in der Früh nach dem Frühstück sind Angela und ich noch einmal zur Kaskade gegangen und hinaufgefahren. Oben angekommen mussten wir ca. eine Viertelstunde warten, bis die russische Reisegruppe vor uns den Platz geräumt hat. Dann hatten wir dafür einen traumhaften Blick auf den heiligen Berg Ararat.

Zurück im Hotel haben wir uns gruppiert und sind gemeinsam zum Matenadaran gegangen. Das Mesrop-Maschtoz-Institut für alte Manuskripte ist das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften in Jerewan, Armenien. Seine Manuskriptbestände gehören zum Weltdokumentenerbe.
Das sind übrigens Mesrop Maschtoz und sein Schüler.

Den Hauptbestand bilden rund 17.000 Handschriften. Dazu gehören herausragende Beispiele armenischer Miniaturen. Das Etschmiadsin-Evangeliar von 989 in einem Elfenbeineinband des 6. Jahrhunderts hat fast den Rang einer nationalen Reliquie. Und dieses Replika des Buches, das in Spezialatmosphäre in den Tiefen des Matenadaran schlummert, wurde in Österreich gefertigt!

Besonders beeindruckt haben mich folgende Schriften:
Zwei Griechische Bücher. Das Linke ist von Aristoteles 384-322 v.Chr. und wurde im 6. Jhrdt ins Armenische übersetzt. Aber noch interessanter das Rechte. Eusebius von Caesaria 246-340 n.Chr. Diese Chronik wurde im 5. Jahrhundert ins Armenische übersetzt. Das Original ist mittlerweile verschollen. Ohne diese Abschrift wäre es für ewig verloren gewesen.

Diese beiden Bücher - Arithmetik und Kosmographie

Diese alte Weltkarte

Und diese beiden - Riese und ein Zwerg rechts davon. Wobei mich hier gar nicht die Größe fasziniert hat sondern die Geschichte, die die Museumsführerin erzählt hat. Das große Buch ist groß und schwer. Die Seiten sind 75x55cm groß und es wiegt 28kg. Nun mussten, wie es leider in der armenischen Geschichte oft der Fall ist, die Menschen fliehen. Da es so unhandlich ist, wurde es in zwei Hälften geteilt und jeweils eine Frau hat es auf die Flucht mitgenommen und versteckt. Eine Hälfte hat es recht bald nach Jerewan geschafft. Doch die andere Hälfte hatte einen schwierigeren Weg. Die Frau die es dabei hatte, konnte es nicht mehr tragen und hat sie in der Wüste vergraben. Als es dann gefunden wurde, dachte man es wäre Georgisch und hat es nach Georgien mitgenommen. Erst als dann später erkannt wurde, dass es Armenisch ist hat es den Weg zu seiner ersten Hälfte wiedergefunden.
Der kleine Kirchenkalender rechts davon wiegt übrigens nur 19 Gramm.

Ein Raum ist auch der Herstellung der Farben und der Restaurierung der Werke gewidmet. Super interessant!

Unsere liebe Armine hat uns auch noch ihren letzten freien Nachmittag geschenkt und uns zum Markt “Vernissage” und in das Kaffee vom ersten Tag geführt. Zum Abschied durften wir noch einmal gemeinsam beisammensitzen was sehr schön war. Wir hatten Stör zum Abendessen und einen Aprikosenschnaps zur Verdauung.
Hier geht es zu den Fotos vom letzten Tag:




























